Wrong approach? Oder: Auf die Bedingungen kommt’s an!

von Michael J. Charles

In jüngster Zeit mehren sich sowohl bei der VC als auch bei mir Anfragen zu den Bedingungen von Loss of Licence-Versicherungen, die entweder bereits vor einigen Jahren abgeschlossen wurden oder zu denen aktuelle Angebote von Vermittlern oder Versicherern vorliegen. Oft enden diese Gespräche bei den Betroffenen mit Frust auf eine in der Vergangenheit getroffene Entscheidung, die sich im konkreten Leistungsfall als Falle erweist oder sich im Gespräch als latent tickende „Zeitbombe“ herausstellt.

Es ist bei Betrachtung der neueren Angebote festzustellen, dass einige Versicherer, die das Berufsbild von Verkehrsflugzeugführern überhaupt versichern, bei den angebotenen LoL-Bedingungen zurückrudern und zum Teil für die Versicherten höchst gefährliche und unpassende Klauseln einbauen. Zwei Positionen fallen dabei neuerdings wieder besonders ins Auge: Zum einen werden LoL-Versicherungen nur mit einer Leistungsdauer bis zum 55. Lebensjahr angeboten; zum anderen wird der Versicherungsschutz sogar an das Anstellungsverhältnis mit einem besonders benannten Arbeitgeber festgemacht und endet mit dem Wechsel des Arbeitgebers oder in eine befristete oder Teilzeittätigkeit. Man kann dann mit dem Versicherer nur noch über eine wohlwollende Weiterversicherung in der neuen Beschäftigungssituation sprechen.

Genau darum halte ich es für ausgesprochen wichtig, Sie erneut auf die Bedingungsunterschiede im deutschen Versicherungsdschungel hinzuweisen, weil es deutlich mehr als nur ärgerlich ist, wenn Sie im Ernstfall nach einer Phase subjektiver Sicherheit „neben der Bahn aufschlagen“.

Sicher, eine größere Anzahl von Lebensversicherern bietet bei der Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung, gegen Zahlung eines zum Teil hohen Berufszuschlags, den Einschluss des Flugdienstuntauglichkeitsrisikos an. Aber Vorsicht: Zu welchen Bedingungen?

Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung bei der Versicherung von Verkehrsflugzeugführern kann ich berichten, dass es drei Kategorien von bei deutschen Lebensversicherern versicherten Berufsfliegern gibt:

Die erste Kategorie wurde von qualifizierten Vermittlern ausreichend über ihren Versicherungsschutz informiert und ist, nach den zum Zeitpunkt des Abschlusses vorherrschenden Möglichkeiten, optimal abgesichert. Allerdings boten und bieten nur ganz wenige Versicherungsgesellschaften diesen Schutz.

Die zweite und nicht selten vertretene Gruppe wähnt sich über die „Flugdienstuntauglichkeitsklausel“ gut versichert und wird die Nachteile oft erst dann hinnehmen müssen, wenn es zu spät ist.

Am allerschlimmsten sind diejenigen betroffen, die einem Vermittler vertraut haben, der es nur auf den Abschluss eines Vertrages abgesehen hatte; der zwar eine Berufsunfähigkeitsabsicherung mit berücksichtigt hat, jedoch die Bedingungen für „Hinz und Kunz“ zugrunde gelegt hat – vielleicht, weil er es bei seiner Gesellschaft auch gar nicht anders konnte.

Damit Sie Ihre bestehende oder vielleicht in Zukunft abzuschließende Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung genauer auf ihr Leistungsspektrum hin beleuchten können, möchte ich Ihnen an dieser Stelle erneut darstellen, wie die Flugdienstuntauglichkeitsklausel bei einer optimalen Absicherung ausgestaltet sein muss. Finden Sie bei „Ihrem“ Lebensversicherer schlechtere Bedingungen, sind Überlegungen angebracht.

 

So oder ähnlich müssen die „Besonderen Vereinbarungen/Bedingungen“ für Cockpit-Besatzungsmitglieder aussehen:

1. Wann tritt der Versicherungsfall ein?
Der Versicherungsfall liegt schon vor, wenn Flugdienstuntauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen im Sinne der gesetzlichen Regelungen für voraussichtlich sechs Monate eingetreten ist oder sechs Monate vorgelegen hat. Schwangerschaft gilt nicht als gesundheitlicher Grund. Bei Verkehrsflugzeugführern liegt der Versicherungsfall auch dann schon vor, wenn die für sie notwendigen Voraussetzungen (Tauglichkeitsklasse I) nicht mehr erfüllt sind. Es ist unerheblich, ob andere Tätigkeiten ausgeübt werden und welche Einkünfte daraus erzielt werden können.

2. Wie wird die Flugdienstuntauglichkeit festgestellt?
Sie wird durch den Fliegerarzt der DLH oder ein Gutachten eines ärztlichen Sachverständigen für Flugdienstuntauglichkeit festgestellt.

3. Wann beginnt die Leistungspflicht?
Die Leistungspflicht beginnt mit dem Ablauf des Monats, in dem die Flugdienstuntauglichkeit eingetreten ist.

4. Entstehen Nachteile bei einer verspäteten Anmeldung?
Nein, denn auch bei einer verspäteten Anzeige der Flugdienstuntauglichkeit sehen gute Bedingungen die Verpflichtung des Versicherers vor, mit Ablauf des Monats zu leisten, in welchem die Flugdienstuntauglichkeit eingetreten

5. Wann endet die Leistungspflicht?
Die Leistungspflicht endet bei vorübergehender Flugdienstuntauglichkeit mit Wiedererlangung der Flugtauglichkeit

6. Besteht eine Möglichkeit zur Stundung der Beiträge?
Bis zur Entscheidung über die Leistungspflicht können die künftig fällig werdenden Beiträge gestundet werden. Stundungszinsen werden nicht erhoben.

7. Versicherungsschutz für Sonderrisiken
Drachenfliegen, Gleitschirmfliegen, Fallschirmspringen, Ballonfahren sowie Motor- und Segelflug sind zuschlagsfrei mitversichert. Eine Anzeige ist weder bei Antragsstellung noch während der Laufzeit des Vertrages erforderlich. Andere Sonderrisiken sind bei Antragsstellung anzugeben. Es erfolgt dann eine Entscheidung im Einzelfall. Dies gilt insbesondere für das Einfliegen von Musterflugzeugen (Neukonstruktionen), Rekordflüge, Akrobatikflüge, Expeditions- und Forschungsflüge, Flüge in militärischer Eigenschaft, Reklameflüge, Flüge zur Wettererkundung und zur Schädlingsbekämpfung.

Jedes fliegerische Risiko, das erst nach Vertragsabschluss eingegangen wird – mit Ausnahme der Tätigkeiten als selbständiger Fluglehrer oder Hubschrauberpilot – , ist mitversichert.

8. Was gilt bei Wechsel des Arbeitgebers?
Wenn Sie aus den Diensten Ihres Arbeitgebers ausscheiden, bleibt das Flugdienst-untauglichkeitsrisiko unter der Voraussetzung weiterhin versichert, dass Sie zu einer Fluggesellschaft wechseln, die ein Verkehrsrecht für die Bundesrepublik Deutschland hat.

 

So weit - so gut,
aber auch die übrige Vertragsgestaltung kann einige Haken und Ösen beinhalten. Hier ein paar mögliche Nachteile, auf die Sie achten müssen:

  • Verweisbarkeit auf andere Tätigkeiten (siehe oben unter 1. -Versicherungsfall).
  • Ausschluss von beruflich bedingten Schäden durch ionisierende Strahlen.
  • Pauschaler Ausschluss des Kriegsrisikos bzw. innerer Unruhen.
  • Pauschaler Ausschluss hormonell bedingter Erkrankungen (Pilotinnen, habt Acht!)
  • Partieller oder gar genereller Ausschluss psychisch bedingter Erkrankungen.

Noch schlimmere Bedingungseinschränkungen möchte ich Ihnen an dieser Stelle nicht zumuten. Sie sind auch bei in der Regel klar denkenden Fliegern die seltene Ausnahme. Nehmen Sie sich aber doch einmal die Muße, Ihre Verträge zu überprüfen.

Always keep the blue side up!

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