Garantien und lebenslange Renten – ein Dinosaurier-Modell der Versicherungswirtschaft?

von Michael J. Charles

Was war das noch für eine Zeit, als die Lebensversicherer 4 % Zinssatz in ihren Verträgen garantierten, darüber hinaus noch bis zu 4 % zusätzlich an Überschussbeteiligung zahlten und dann auch noch garantierte Altersrenten mit dem Garantiezinssatz bis zum letzten Atemzug zusagten! Das Ganze, evtl. auch verknüpft mit einer ausreichenden Berufsunfähigkeitsversorgung (z. B. LoL), ergab eine auskömmliche Versorgung, mit der der Einzelne gut leben und auf der er bauen konnte. In den letzten zwanzig Jahren fiel dann der Garantiezins der Lebens- und Rentenversicherer in Stufen von 4 % über 3,25 %, 2,75 %, 2,25 %, 1,75 % und 1,25 % auf derzeit 0,90 %. Hinzu kam und kommt dann allerdings die Überschussbeteiligung des jeweiligen Versicherers, die in der Regel zur Erhöhung der Versicherungsleistung führt.

Bereits vor einigen Jahren, als die Renditen auf den Kapitalmärkten zu schwanken begannen, verabschiedeten sich die ersten Versicherer von ihren Garantiemodellen. Unter Hinweis auf sinkende Zinsen lobte man die fondsgebundenen Versicherungsprodukte in immer prächtigeren, aber auch oft unverständlich ausgeprägten Varianten wie Ein-, Zwei- und Drei-Topf-Hybriden, Variable Annuities und vielem anderen mehr. Die Versicherer nutzen diese wohl klingenden Produkte nicht zuletzt mit dem Interesse, die Kapitalmarktrisiken (aber auch –chancen) auf ihre Kunden zu verlagern und sich innerhalb ihrer Bilanzierungsrichtlinien Luft zu verschaffen.

Dies war der erste, aber nicht der letzte Schritt. Inzwischen verabschieden sich immer mehr Versicherer von Garantien, sprechen sie teilweise nur für begrenzte Zeiträume aus oder verlassen sogar ganz ihr bislang ureigenstes Konzept lebenslanger Rentengarantien auf der bisherigen biometrisch/mathematisch kalkulierten Grundlage. Wenn noch von Garantien die Rede ist, sprechen viele Unternehmen inzwischen nur noch von einer Beitragsgarantie; d.h., Kunden erhalten nach vielen Jahren garantiert lediglich das zurück, was eingezahlt wurde (natürlich ohne die Beiträge für eine zusätzliche Risikotragung). So ändern sich die Zeiten!

Bedeutsam ist außerdem, dass sich dieser Paradigmenwechsel auf dem Versorgungsmarkt nicht nur im privaten Bereich, sondern auch bei der betrieblichen Altersversorgung vollzieht. Insoweit ist also die deutsche Bevölkerung bei ihrer Altersversorgungsplanung und -sicherung hiervon in breiter Linie gravierend betroffen.

Ein weiterer bedeutsamer Punkt ist die lebenslange Altersrentengarantie, die die Versicherer in der Vergangenheit für Verträge gewährten, die zunächst über Jahrzehnte angespart wurden und dann im Alter Sicherheit bis zum Lebensende boten. In der Vergangenheit wurden für die Kalkulation dieser in weiter Zukunft fälligen Zahlungen immer die beim Vertragsabschluss aktuellen Sterbetafeln zu Grunde gelegt. Auch hier hat sich bereits einiges verändert: Viele Versicherer berechnen die später fällig werdenden Renten erst zum Zeitpunkt der künftigen Fälligkeit mit den dann gültigen Sterbetafeln. Auch der dann gültige Rechnungszins steht in den Sternen. Das bedeutet, dass bei einer ständig steigenden Lebenserwartung die spätere Kalkulation einer lebenslangen Rente für den Empfänger voraussichtlich deutlich ungünstiger ausfallen wird.

Und noch eins ist wichtig zu wissen, wenn Sie eine Lebens- oder Rentenversicherung mit Dynamik besitzen oder Zuzahlungen zu Ihrer steuerbegünstigten Rürup-Versicherung leisten wollen: Es gibt Versicherer, die für die Erhöhungen die aktuellen, geringeren Garantiezinsen und eventuell auch die zu Ihrem Nachteil aktualisierten Sterbetafeln zu Grunde legen. Im Zweifel sollten Sie nachfragen.

Diese Entwicklungen sind für den Verfasser Grund genug, die hiervon gleichermaßen betroffenen VC-Mitglieder für diese Themen zu sensibilisieren. Derzeit gibt es immer weniger Versicherer, die in ihren neu abzuschließenden Altersrentenversicherungen noch langfristige Garantien abgeben wollen. Auf Sicht muss man damit rechnen, dass auch diese Dinosaurier der Versicherungswirtschaft im Wettbewerb aus dem bisherigen Konzept aussteigen.

Das bedeutet aber nicht, dass diejenigen, die dem System der deutschen Lebensversicherer bislang vertraut haben, nun verunsichert sein sollten. Es gilt „well done“ für die, die bereits in der bisherigen Garantiewelt versichert sind. Stresstests der Branche haben ergeben, dass die auch bisher vertrauenswürdigen Unternehmen als professionell agierende institutionelle Anleger auf lange Zukunft gewappnet sind, ihre Verträge einzuhalten.

Für den noch nicht ausreichend versicherten Verbraucher, der auf die Entwicklung der Märkte kaum Einfluss nehmen kann, stellt sich allerdings aktuell noch die Frage, ob bestehender Altersversorgungsbedarf – auch im Zusammenhang mit der Absicherung berufsständischer Risiken - nicht doch noch zu den alten, garantierten Rahmenbedingungen eingekauft werden kann und sollte. Überlegungen zu alternativen und rentablen Kapitalanlagen bleiben hiervon unberührt.

 

Dies lediglich mal als Information zum Nachdenken…

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