FAIRSKY auch bei den Versicherungsbedingungen bei Lizenzverlust aus gesundheitlichen Gründen

von Michael J. Charles

Was helfen die vollblumigsten Versprechungen in Hochglanzbroschüren, wenn sich im anstehenden Leistungsfall der Versicherer auf die Ebene seiner Vertragsbedingungen zurückzieht, erst jetzt die Leistungseinschränkungen und Ausschlüsse bekennt und der Berater oder Vermittler des Produktes schamhaft auf Tauchstation geht?

Die Veränderungen des Luftfahrtmarktes im Hinblick auf Unternehmen, Arbeitsverhältnisse, Tarifregelungen und Arbeitsbedingungen bleiben auch der Versicherungswirtschaft nicht verborgen und fließen in deren Annahmepolitik bei der Beurteilung von diversen Risikoabsicherungen – also auch der Absicherung des Flugdienstuntauglichkeits-/LoL-Risikos - ein.

Eigentlich war es schon immer so, dass es sich bei dem Thema Lizenzverlustversicherung um einen hochsensiblen Bereich handelt, der auch seitens der Versicherer besonderer Aufmerksamkeit bedarf.

Nur bei der Erfassung einer ausreichenden Anzahl von Risiken (Versicherten) trägt sich der Versicherungsgedanke bei einer homogenen Risikogruppe. Hierbei spielt natürlich die objektive Risikobeurteilung eine entscheidende Rolle. Aber auch die äußeren Umstände, wie Arbeitsbedingungen, Arbeitsvertragsgrundlagen, Konjunkturschwankungen und ähnliches, haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung eines Kollektivs.

Aufgabe eines Versicherers ist es, die objektiven und subjektiven Risikoelemente zu erfassen und gemeinsam mit seinem Rückversicherer zu einem Paket zu schnüren, das für den Versicherten zu einer möglichst umfassenden Absicherung seiner Risiken führt und gleichzeitig dem Versicherer eine auskömmliche Einnahme verspricht.

Wegen der oben bereits erwähnten notwendigen Größe eines Kollektivs gibt es eben auch nur wenige Risikoträger (Versicherer), die auf die Belange der Pilotenschaft zielführend eingehen können oder wollen.

Natürlich gibt es immer wieder Angebote, die vermeintlich auf die Berufsgruppe der Verkehrsflugzeug-/Hubschrauberführer abstellen. Sieht man genauer hin, sind solche oft unqualifiziert angebotenen Produkte mit erheblichen Mängeln oder Einschränkungen verbunden. Die fatale Wirkung solcher Verträge rückt oft erst ins Licht, wenn  im Schadenfall neben dem Frust über eine in der Vergangenheit getroffene Entscheidung die existenzielle Notlage eingetreten ist.

Was also können Sie tun, um solche „Zeitbomben“ nicht ticken zu lassen?

Zunächst einmal sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Berater den gleichen Anspruch ansetzen, den ein Fluggast an „seine“ Cockpitbesatzung stellt. Professionalität und Qualitätsmanagement sind als Standard vorauszusetzen.

Aber auch die Versicherer, die ja letztlich ein zunächst gegebenes Versprechen auch einlösen müssen, sind in die Betrachtung einzubeziehen. Was nutzt die beste Cockpitbesatzung, wenn das Fluggerät nicht flugtauglich ist!

Ob und welche Risikoabsicherung Sie für den Fall der Fluguntauglichkeit auswählen, hängt natürlich von Ihren persönlichen Rahmenbedingungen ab.

Vom Grundsatz her gibt es zwei wesentliche Versicherungsformen auf dem Markt, deren Zugang zum Teil allerdings von der Form des Arbeitsverhältnisses, der einbezogenen Luftfahrtgesellschaft und der Lizenz abhängig ist:

 

Loss of Licence-Summenversicherung

Hier wird im Lizenzverlustfall eine einmalige Versicherungssumme fällig. Es kann auch – je nach Status des Arbeitsverhältnisses – eine monatliche Übergangszahlung mitversichert werden. Die reinen Risikoversicherungsbeiträge werden nach Alter jährlich neu kalkuliert. Die Beiträge sind in jungen Jahren überaus erschwinglich und auch Freelancer, Hubschrauberführer und Flugschüler können sich hier absichern.

Es gibt gravierende Unterschiede im Preis, aber vor allem bei den Bedingungen dieser national aber auch international angebotenen Deckungen. Versicherungsschutz wird hier über spezialisierte Versicherungsmakler, aber auch zum Teil über Arbeitgeber oder Interessen-vereinigungen bereitgestellt.

 

Flugdienstuntauglichkeitsrente

Ein Versicherungsschutz, der in Deutschland seinen Ursprung hat und inzwischen unter bestimmten Umständen auch für Kollegen in Österreich und der Schweiz greifen kann.

Hier wird eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente (FU/LoL) abgesichert, die – je nach Unternehmenszugehörigkeit und Versicherer - auch über das 60. Lebensjahr hinaus gezahlt werden kann. Die Bedingungen, die zu einer Leistung oder deren Ablehnung führen, sind je nach Versicherer sehr unterschiedlich und zum Teil „gruselig“.

  

Hier nur ein Beispiel:

Aus meiner jahrzehntelangen Arbeit für und mit Cockpitpersonal weiß ich besonders um die Notwendigkeit eines Versicherungsschutzes, der auch psychische Erkrankungen einschließt. Dieser Risikoeinschluss, der nur von wenigen Anbietern gewährt wird, bedeutet für die Versicherten, dass bei Auftreten solcher Erkrankungen kein Anlass gegeben ist, notwendige Behandlungen aus eventuellen Existenzängsten wegen drohendem Lizenzverlust aufzuschieben oder gar ganz zu unterlassen. Ein Ausschluss im Bedingungswerk eines Versicherers ist an dieser Stelle für die von einer Erkrankung betroffenen und auch belasteten Piloten mehr als fatal. Eine Loss of Licence-Versicherung soll als „Fallschirm“ für die existenziellen Bedrohungslagen des einzelnen dienen und darf nicht verhindern, dass ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird..

Andere Fragestellungen auf die es ankommen kann, hier im Telegrammstil (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

 Wann tritt der Versicherungsfall ein?

  • Gibt es eine Verweisung auf andere Tätigkeiten?
  • Wie wird die Flugdienstuntauglichkeit festgestellt?
  • Wann beginnt die Leistungspflicht?
  • Entstehen Nachteile bei verspäteter Anmeldung der FU?
  • Wann endet die Leistungspflicht?
  • Besteht eine Möglichkeit zur Stundung der Beiträge während der Leistungsermittlung?
  • Gilt der Versicherungsschutz auch für Sonderrisiken wie Drachen-/Gleitschirmfliegen u.a.?
  • Was geschieht bei Arbeitgeberwechsel?
  • Ist auch altersbedingter Kräfteverfall versichert?
  • Sind ionisierende Strahlen generell ausgeschlossen?
  • Ist das Kriegsrisiko generell ausgeschlossen?
  • Sind hormonell bedingte Erkrankungen pauschal ausgeschlossen?

 

Inzwischen bietet der Markt neben der Kombination mit einer Lebens- oder Rentenversicherung auch selbstständige FU/LoL-Rentenversicherungen an, bei denen nicht zusätzlich eine Kapitalbildung gefordert wird.

Welche dieser Versicherungsformen die für Sie richtige ist, muss natürlich im individuellen Fall besprochen werden. Auch die Einbeziehung evtl. bestehender betrieblicher Versorgungsangebote oder die Kombination mit staatlich geförderten Produkten wie der „Rürup-Rente“ ist  zu überlegen.

Über allem steht aber: Nicht der Preis darf bei Ihrer Entscheidung im Vordergrund stehen, sondern die Versicherungsbedingungen. Und wichtig ist: Nehmen Sie Ihren aktuellen Versicherungsschutz genau unter die Lupe, lassen Sie sich in jedem Fall gut beraten und kein X für ein U vormachen.

Always keep the blue side up!

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