Arbeitslos - dann auch noch berufsunfähig?

von Michael J. Charles

Arbeitslosigkeit gehört sicherlich nicht zu den erstrebenswerten Zuständen, die man sich als Arbeitnehmer wünscht. Dennoch ist dieser Zustand im Laufe eines Arbeitslebens auch für CockpitmitarbeiterInnen nicht immer zu umfliegen.

Um in einer Zeit der finanziellen Einbußen nicht auch noch ohne Schutz der beruflichen Absicherung zu sein, ist es wichtig, sich für den Fall der Fälle – möglichst schon bei Abschluss der Versicherung - auch mit dem Thema zu beschäftigen: „Was geschieht eigentlich mit meiner Berufsunfähigkeitsversicherung oder meiner Lizenzverlustversicherung (LoL), wenn ich arbeitslos werden sollte?“
Die meisten von Ihnen haben sicherlich die Absicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos über eine Kapital- oder Rentenversicherung mit angehängter Zusatzversicherung gewählt. Diese Vertragsart kann in Form einer privaten oder einer staatlich geförderten Versicherung, aber auch über eine Betriebliche Altersversorgung bestehen.
In den Bedingungen der Versicherer wird auf das Thema Arbeitslosigkeit nicht immer explizit eingegangen. Im Einzelfall ist aber ohnehin immer eine spezielle Leistungsprüfung anhand der vorliegenden, unterschiedlichen Bedingungen vorzunehmen.
Gehen wir einmal davon aus, dass Sie bei einem der mit „gut“ zu bewertenden Berufsun-fähigkeitsversicherer versichert sind.
Die dort zu Grunde liegenden Bedingungen gehen zunächst davon aus, dass Sie generell in dem von Ihnen zuletzt ausgeübten Beruf – so, wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war - versichert sind. Dies gilt auch bei Eintritt einer Arbeitslosigkeit. Allerdings machen viele Versicherer eine während der Arbeitslosigkeit eingetretene Berufsunfähigkeit nach drei, vier oder fünf Jahren bei der Leistungsentscheidung von der Frage abhängig, welchen anderen Beruf Sie auf Grund Ihrer Ausbildung und Erfahrung ausüben könnten.
Diese Tätigkeit muss aber in der Regel der Lebensstellung zum Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Berufsleben entsprechen. Es kann aber, je nach Gesellschaft, auch eine neue Einschätzung der Lebensstellung erfolgen.

Ist man bei einem der Spitzenversicherer für die Pilotenschaft mit besonderen Vereinbarungen für Cockpitpersonal versichert (hier werden für das fliegende Personal Leistungserweiterung- en eingeschlossen), muss man im Hinblick auf diese besonderen, zusätzlichen und ergänzen- den Bedingungen folgendes beachten:
Der Versicherungsnehmer muss den Umstand der Arbeitslosigkeit dem Versicherer umgehend anzeigen. Daraufhin entfallen zunächst die „Besonderen Vereinbarungen für das Cockpitpersonal“. Es bleiben aber selbstverständlich die „normalen“ Berufsunfähigkeits- Versicherungsbedingungen bestehen. Versichert bleibt dann der zuletzt ausgeübte Beruf.
Nimmt der Versicherte innerhalb von 12 Monaten nach Beginn der Arbeitslosigkeit wieder eine Beschäftigung als Pilot auf, werden die Sonderbedingungen wieder eingeschlossen. Bei einer zurückliegenden Arbeitslosigkeit von 12 bis maximal 24 Monaten prüft der Versicherer den Einschluss anhand eines vorzulegenden Medical.
Voraussetzung bei diesem speziellen Verfahren zu den Sonderbedingungen ist allerdings, dass unmittelbar vor Eintritt der Arbeitslosigkeit der Versicherungsschutz ordnungsgemäß bestanden hat und keine Fluguntauglichkeit vorlag.
Im Klartext heißt das: die Besonderen Vereinbarungen fallen je nach dem weg, aber man bleibt in jedem Fall mit den ansonsten guten Bedingungen auch im Berufsunfähigkeitsfall als Verkehrsflugzeugführer versichert.
Wichtig zu wissen ist außerdem, dass bei vielen Versicherern auch die Möglichkeit besteht, während eines finanziellen Engpasses auch eine Stundung der Beiträge mit Nachzahlungs-option oder späterer Leistungskürzung zu vereinbaren. Einige Versicherer nehmen für die Stundung auf Grund von Arbeitslosigkeit noch nicht einmal Zinsen.
Wie das ganze nun bei Ihrem speziellen Versicherer aussieht, verrät natürlich nur ein Blick in die Versicherungsbedingungen und/oder eine entsprechende Rückfrage.
Es gibt aber neben der bis hier erwähnten Berufsunfähigkeits-(Zusatz-)versicherung auch noch die klassische Loss of Licence-Summenversicherung. Diese Form der Absicherung besteht zumeist über Gruppenversicherungen der Airlines für ihre Mitarbeiter im Cockpit.
Scheidet der Mitarbeiter aus einem solchen Unternehmen aus – und das ist ja meist die Ursache der Arbeitslosigkeit – so endet der Versicherungsschutz. Allerdings kann der Versicherer eine Umwandlung in einen Einzelvertrag ermöglichen. Er macht dies aber von einem entsprechenden Antrag abhängig. Und hier ist die Frage offen, ob ein arbeitsloser Pilot weiter versichert wird, und wenn ja, zu welchen Konditionen.
 
Ist man von vorneherein in einem LoL-Einzelvertrag versichert, hängt der Versicherungs-schutz weiterhin am Bestehen der Lizenz. Insoweit müssten Sie in jedem Fall die Lizenz erhalten. Allerdings lassen die Versicherungsbedingungen der klassischen LoL-Versicherung nicht klar erkennen, ob der Wechsel in die Arbeitslosigkeit eine Gefahrerhöhung darstellt, die der Anzeigepflicht und damit der Neueinschätzung des Risikos durch den Versicherer unterliegt.
Das bedeutet für Sie, dass je nach Entscheidung des Versicherers der Versicherungsschutz verloren gehen kann.
Sie sehen, Arbeitslosigkeit hat viele Facetten und damit eventuell auch gravierende Auswirkungen auf die finanzielle Absicherung Ihrer beruflichen Leistungsfähigkeit.
Prüfen Sie bitte, welche vertragliche Sicht Ihr Versicherer auf diese Frage wirft und/oder sprechen Sie Ihren persönlichen Berater an.
Ich jedenfalls wünsche Ihnen vor allem, dass die Überlegungen, die meine Ausführungen anregen sollen, rein theoretischer Natur bleiben und wünsche Ihnen

always safe and happy landings.

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