All systems checked?

Die Besteuerung von Berufsunfähigkeits- (Loss of Licence-) Renten

von Michael J. Charles

Die Versicherungslandschaft in Deutschland bietet im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern einen besonders ausgeprägten Versicherungsschutz zur Absicherung des Risikos der Berufsunfähigkeit an. Hierbei handelt es sich um die Möglichkeit, eine Rentenzahlung in Anspruch zu nehmen, wenn ein Versicherter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, seinen Beruf auszuüben.

Unabhängig davon, dass die Absicherung des Risikos vorzeitiger, nicht geplanter Berufsaufgabe durch Krankheit oder Unfall – oder auch Kräfteverfall – für nahezu jeden Berufstätigen eine unverzichtbare Notwendigkeit bedeutet, ist diese Versicherungsform für das Cockpitpersonal ein unbedingtes „Muss“.

Nun ist es für die fliegende Zunft schon im Vorfeld nicht immer ganz einfach, den richtigen Versicherungsschutz mit den richtigen Versicherungsbedingungen für den Fall der eintretenden Berufsunfähigkeit (Flugdienstuntauglichkeit) zu finden.

Hat man diesen Versicherer gefunden, stellt sich oft auch die Frage, wie der Versicherungsschutz vom Grunde her gestaltet werden soll. Ist eine Absicherung über einen rein privat geführten Vertrag opportun? Macht der Einschluss des Risikos über eine bestehende oder noch abzuschließende betriebliche Altersversorgung (z.B. im Zusammenhang mit einer Entgeltumwandlung) Sinn? Bietet sich vielleicht auch eine Versicherungskombination mit einer steuerlich geförderten privaten Altersversorgung (Rürup-Rente) an?

Diese Fragestellung ist ziemlich komplex und bedarf in jedem Fall einer Beratung durch eine/n Fachmann/frau Ihres Vertrauens.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen lediglich ein paar bedenkenswerte Hinweise zur unterschiedlich steuerlichen Betrachtung von Berufsunfähigkeitsrenten aus den möglichen „Schichten“ der Versicherbarkeit geben:

Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung in der so genannten „1. Schicht“ ab, das heißt, in Verbindung mit einer steuerlich geförderten Altersversorgung (in diesem Fall: Rürup-Rente), dann können Sie zwar die Beiträge im Rahmen bestimmter Höchstbeträge und steigender Steueransätze jeweils im Jahr der Zahlung absetzen, haben jedoch im Leistungsfall die gezahlten Renten (hier: die Berufsunfähigkeitsrente) ebenfalls zu versteuern. Der Steueransatz liegt im Jahr 2018 noch bei 76 % der Rente und steigt bis 2040 kontinuierlich bis auf 100 % an.

Entscheiden Sie sich für eine Absicherung in der „2. Schicht“ (hier: betriebliche Altersversorgung), unterliegt Ihre Berufsunfähigkeitsrente der nachgelagerten Versteuerung, da Sie die Beiträge für Ihre Versicherung vor Steuern aufwenden und abführen. Sie müssen also für den Fall der Zahlung einer Berufsunfähigkeits- (LoL-) Rente den vollen Betrag Ihrem persönlichen Steuersatz unterwerfen. Hinzu kommt bei dieser Form der Absicherung, dass Sie im Rahmen der gesetzlich garantierten Portabilität bei einem Arbeitgeberwechsel zwar Ihre angesammelten Ansprüche mitnehmen können, aber nicht unbedingt Ihre besonderen Vereinbarungen zum Flugdienstunfähigkeits-Risiko. Hier liegt meines Erachtens neben der Steuerfrage ein wichtiger „Knackpunkt“, der bedacht sein sollte. Nach einigen Jahren Berufstätigkeit ist es auch für Verkehrsflugzeugführer nicht immer einfach, sich erneut zu versichern.

In der „3. Schicht“, also der privaten Vorsorge, liegen die Dinge wiederum anders: Hier zahlen Sie die Versicherungsbeiträge in der Regel von Ihrem versteuerten (und in der Sozialversicherung verbeitragten) Einkommen. Darum sind aus dieser Schicht gezahlte Berufsunfähigkeitsrenten als so genannte „abgekürzte Zeitrenten“ lediglich mit dem Ertragsanteil zu versteuern. Der Ertragsanteil richtet sich hier nach der möglichen Rentenlaufzeit ab Eintritt des Versicherungsfalles und beträgt in der Regel zwischen 35 % und bis zu 0 %.

Sie sehen also aus den drei Beispielen, dass eine geleistete Berufsunfähigkeitsrente durch die Besteuerung weit auseinander driften kann und damit Ihre Finanzplanung im Katastrophenfall erheblich von der Versicherungsform bzw. dem vorher gewählten Schichten-System abhängt.

Da eine Berufsunfähigkeitsabsicherung mit optimalen Bedingungen für Piloten meist an eine kapitalbildende Rentenversicherung angehängt ist, spielt die Überlegung der staatlichen/steuerlichen Förderung in den einzelnen Schichten eine große Rolle. Es würde allerdings den Rahmen dieses Beitrags sprengen, wenn alle im Zusammenhang mit Ihrer persönlichen Versorgung notwendigen Gesichtspunkte an dieser Stelle behandelt werden sollten.

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